Es sind wir – und vor allem Ewa Piórkowska –, die mit Leidenschaft den heutigen Reitritt auf den Spuren der Gräfin Marion Dönhoff organisieren. Ewa plant nicht nur die gesamte Route, sondern kümmert sich auch um jedes Detail – von den Rastplätzen bis zur Stimmung der Reise. Die Tour ist offen für alle – die Teilnehmer reiten zu Pferd durch Masuren, übernachten in Förstereien, alten Gutshäusern und besonderen Orten, die den Geist vergangener Zeiten spürbar machen.
Während der Reise besuchen wir Orte, die Marion Dönhoff und ihre Cousine Sissi Lehndorff im Jahr 1941 durchritten – „von Gut zu Gut, von Försterei zu Försterei, durch Wälder, Moore und Seen“, wie Marion es selbst in ihren Erinnerungen beschrieb.

Unser Ziel ist es, die Atmosphäre jener Reise wiederzubeleben – die Nähe zur Natur, die Stille, die Freiheit und die Leichtigkeit, über die Marion in einem Brief an ihren Bruder schrieb:
„…vor unseren Augen erscheint Sasek wie eine persische Miniatur, der türkisfarbene Himmel über dem dunkelblauen Wasser, und davor ein rot-gelbes Feld. Ein göttliches Gefühl, so durch die herbstliche Welt zu reiten. Man fühlt sich leicht und frei wie ein Vogel, fern von allen Häusern.“

In ihren Schriften verweist Marion Dönhoff oft auf die Bilder von Natur, Licht und Weite, aber auch auf das alltägliche Leben des Landadels und auf Ortsnamen, die mit der Zeit in Vergessenheit geraten könnten. Aus diesem Grund trägt eines ihrer Bücher den Titel „Namen, die keiner mehr nennt“ („Nazwy, których nikt już nie wymienia“). Passagen über den Reitritt durch Masuren erscheinen dort als ein Weg, die lokale Identität und das kulturelle Gedächtnis dieser Landschaft zu bewahren.
In einem lokalen Bericht heißt es: „Wie Marion Dönhoff in ihrem Buch ‘Namen, die keiner mehr nennt’ schrieb, als sie den Reitritt durch Masuren im Herbst 1941 beschrieb: ‘Solche Bilder …’”
Dies ist ein Reitritt auf den Spuren der Gräfin Marion Dönhoff und ihrer Cousine Sissi von Lehndorff im September 1941, als beide zu Pferd von Allenstein (Olsztyn) nach Steinort (Sztynort) ritten und dabei unter anderem Sasek Mały passierten. So beschrieb es Marion Dönhoff in einem Brief an ihren Bruder: „…vor unseren Augen erscheint Sasek wie eine persische Miniatur, der türkisfarbene Himmel über dem dunkelblauen Wasser, und davor ein rot-gelbes Feld. Ein göttliches Gefühl, so durch die herbstliche Welt zu reiten. Man fühlt sich leicht und frei wie ein Vogel…“
Die Reitreise von Marion und Sissi fand zwischen dem 27. September und dem 1. Oktober 1941 statt. Die täglichen Etappen führten über Nebenwege, durch Wälder, Felder und entlang von Seen – meist 30–40 Kilometer pro Tag. Die Route begann in Allenstein (Olsztyn), wo sie mit dem Zug aus Königsberg (Królewiec) ankamen. Von dort ritten sie durch verschiedene masurische Dörfer bis nach Steinort (Sztynort). In ihren Erinnerungen widmete Marion diesem Erlebnis ein Kapitel mit dem Titel „Ritt durch Masuren“ („Reise durch Masuren“).
In der biografischen Literatur finden sich verschiedene Interpretationen der Gründe für diesen Reitritt:
Symbolischer Abschied von der Heimat – Marion war sich bewusst, dass ihr Zuhause im Kontext des Krieges und der politischen Veränderungen verloren gehen könnte. Die Reise hatte eine nostalgische und reflektierende Dimension – eine Art letzter Blick auf die Landschaften und Orte, die sie kannte und liebte.
Der Wunsch, die Weite Masurens zu erleben – es könnte auch eine enthusiastische Reise gewesen sein, geprägt von Leidenschaft für das Reiten, von Liebe zur Natur und der Stille der masurischen Landschaft, die sie durch ihre besondere Ästhetik anzog.
Familiäre Verbundenheit – da Sissi ihre Cousine war und die Familien Dönhoff und Lehndorff eng miteinander verbunden waren, war die gemeinsame Reise auch ein Ausdruck von familiärem Dialog, gegenseitiger Inspiration und gemeinsamer Erfahrung.
Innere Spannungen und moralische Reflexionen – inmitten des Krieges, angesichts der Dramen Europas, suchte Marion vielleicht Ruhe und Raum für Reflexion über Schicksal, Werte und Vergänglichkeit. Der Reitritt hatte fast eine therapeutische Bedeutung für die Seele in schweren Zeiten.
Sicherere Form der lokalen Reise – während des Krieges konnten Bahn- oder Autofahrten gefährlich oder schwierig sein. Der Reitweg durch Nebenstraßen und masurische Wälder bot mehr Autonomie und Ruhe, und ermöglichte es, die Schönheit der Landschaft in vollem Maße zu genießen.
Marion Hedda Ilse von Dönhoff (1909–2002) war eine deutsche Publizistin, Herausgeberin und eine der prägenden Persönlichkeiten der deutschen Nachkriegsgeschichte. Während des Krieges war ihr Cousin Heinrich von Lehndorff am Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler beteiligt und wurde dafür hingerichtet. Sissi von Lehndorff war Heinrichs Schwester und somit eng mit der Familie Dönhoff verwandt.
Im Jahr 1941 unternahmen Marion und Sissi einen fünftägigen Reitritt durch Masuren, zwischen dem 27. September und dem 1. Oktober, über Dörfer, Feldwege, Wälder und Seen. In ihren Erinnerungen schrieb Marion, dass diese Reise nicht nur ein touristisches Abenteuer, sondern auch ein symbolischer Abschied von der Heimat war – einem Land, von dem sie überzeugt war, dass es bald verloren gehen könnte.
Marion Hedda Ilse von Dönhoff wurde am 2. Dezember 1909 auf Schloss Friedrichstein (Ostpreußen) geboren – als jüngstes von acht Kindern einer aristokratischen Familie. Ihr Vater, August von Dönhoff, war Diplomat und Politiker, wodurch die Familie zur preußischen Elite gehörte. Marion wuchs in einem stark mit der Erde verbundenen, adligen Umfeld auf – mit einem ausgeprägten Bewusstsein für Geschichte, Verantwortung und Herkunft.
In ihrer Jugend verbrachte sie viel Zeit mit ihren Cousins und Cousinen – unter anderem mit Sissi von Lehndorff (Karin „Sissi“) – sie wuchsen gemeinsam auf, gingen auf Jagden und machten Reitausflüge. Diese enge familiäre Beziehung zu den Lehndorffs erklärt teilweise, warum Sissi und Marion später gemeinsam ihre Reitroute durch Masuren wählten.
Marion studierte zunächst in Königsberg (Ostpreußen), später in Frankfurt am Main und schließlich in Basel, wo sie 1935 ihre Promotion in Wirtschaftswissenschaften abschloss.
In der Zwischenkriegszeit beobachtete Marion den wachsenden Einfluss des Nationalsozialismus und distanzierte sich zunehmend von der Ideologie des Regimes. In den Medien und intellektuellen Kreisen galt sie oft als die „rote Gräfin“ – ein Ausdruck für ihre fortschrittlichen und kritisch-humanistischen Ansichten gegenüber dem Nationalsozialismus.
Während des Krieges leitete Marion offiziell das Familiengut Quittainen, während ihr Bruder Dietrich an der Front diente. Dies verschaffte ihr ein gewisses Maß an Handlungsfreiheit und erlaubte ihr, Kontakte im ländlichen Umfeld zu pflegen und die Realität des Krieges aus nächster Nähe zu erleben.
Marion stand in Kontakt mit Widerstandskreisen – insbesondere mit dem Umfeld des 20.-Juli-Attentats auf Hitler. Obwohl sie nie verurteilt oder direkt in das Attentat verwickelt war, wurde sie vom Gestapo verhört und stand unter Verdacht. Später berichtete sie, dass ihr Name in den beschlagnahmten Dokumenten der Nazis nicht auftauchte – was ihr vermutlich das Leben rettete.